Merkel und Putin, Gas und Nord Stream 2

Der russische Botschafter Sergei Netschajew im Interview mit der Berliner Zeitung: ‚Ohne Erdgas kann die Energiewende nicht gelingen‘, 20.10.2021

Sergei Netschajew in der Berliner Zeitung über Merkel und Putin, Gas und Nord Stream 2

Der russische Botschafter sagt Danke. Angela Merkels Beitrag zur deutsch-russischen Zusammenarbeit war „ziemlich groß“, sagt Sergei Netschajew im Interview mit Michael Maier. „Die Beziehungen zwischen unseren Ländern entwickeln sich in vielen Bereichen konsequent und erfolgreich und das bei jedem Wetter.“

Aber wohin entwickeln sie sich?

Das Verhältnis zwischen Merkel und dem russischen Präsidenten seien immer „respektvoll“ gewesen, „auch wenn sie nicht unbedingt derselben Meinung sind“. Von der kommenden Regierung erhofft er „Dialog im Sinne einer guten Nachbarschaft und der gegenseitigen vorteilhaften Kooperation“.

Nun zu den unerfreulichen Entwicklungen:

Nord Stream 2: Die Pipeline sei ein „multilaterales Projekt, an dem mehrere europäische Länder beteiligt sind“. Gas sei „kein politisches Druckmittel für uns, sondern ein gutes Geschäft für alle Beteiligten“. Russland sei bereit, „jede Menge zu liefern, die bestellt wird, wenn es eine entsprechende Transitinfrastruktur erlaubt“. Die Pipelines durch die Ukraine seien marode und erlaubten keine beträchtliche Druckerhöhung. Nord Stream 2 könne diese Lücke schließen.

Steigende Gaspreise: Die seien der steigenden Nachfrage geschuldet, die USA und andere Lieferantenstaaten schickten ihr Flüssiggas nach China, nicht in die EU, weil dort höhere Preise erzielt werden. Europa sei verantwortlich, denn „nicht alle in Europa haben das Vertrauen in langfristige Verträge mit Russland gehabt und plädierten für eine freie Preisbildung auf dem Gasmarkt“. Nun müsse nach den Spotpreisen bezahlt werden, die enorm gestiegen seien.

Das generell sehr angespannte Verhältnis zwischen Deutschland und Russland: Netschajew setzt auf „ein großes Netz der Kooperation“ in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur, „ein breites Netz der Partnerschaften“. Er hoffe, dass „die positive Agenda der deutsch-russischen Beziehungen nicht gestrichen wird“. Nicht hilfreich seien „Sanktionen, Ultimaten und Drohungen aller Art. Mit solchen Mitteln kann man keine Partnerschaft entwickeln.“  PHK