Kuleba: Gebt uns viel mehr schwere Waffen

Außenminister Dmytro Kuleba: Die Ukraine kann siegen, Foreign Affairs, 17.6.2022

von KARENINA
Kuleba fordert mehr Waffen

Dmytro Kuleba warnt vor „gefährlichen Deals“ mit Russland: „Weil die Ermüdung wächst und die Aufmerksamkeit abschweift, schlagen immer mehr dem Kreml geneigte Kommentatoren vor, die Ukraine zugunsten des Friedens und der wirtschaftlichen Stabilität in ihren eigenen Ländern auszuverkaufen“, klagt der Außenminister der Ukraine in einem hin und wieder redundanten Beitrag für Foreign Affairs. Das klinge pazifistisch oder realistisch, diese Menschen seien aber „Ermöglicher von russischem Imperialismus und Kriegsverbrechen“.

Ukraine könne gewinnen, wenn es angemessen unterstützt wird. „Richtig bewaffnet können unsere Streitkräfte Putins Truppen – die bereits erschöpft sind – über die Belastungsgrenze hinaus fordern. Wir können die russischen Streitkräfte sowohl im Süden als auch im Osten der Ukraine kontern und Putin dazu zwingen, sich zu überlegen, welche seiner Eroberungen er schützen möchte.“

Dazu brauche sein Land schwere Waffen aus den USA und von deren europäischen Verbündeten. Die Sanktionen gegen Russland müssten verstärkt werden. Forderungen nach diplomatischen Lösungen seien zu ignorieren. Erst wenn die Ukraine die russischen Truppen weit genug zurückgedrängt habe, könnte Putin gezwungen sein, an den Verhandlungstisch zu kommen. Das Ergebnis, auf das der Westen geduldig hinarbeiten müsse, sei „ein vollständiger und totaler ukrainischer Sieg“.

Von Macrons Hinweis, man dürfe Russland nicht demütigen, und Henry Kissingers Empfehlung, die Ukraine müsse im Tausch gegen Frieden Gebiete abtreten, hält Kuleba nichts. „Derartige Erklärungen basieren auf der Idee, dass die Ukrainer, egal wie gut sie kämpfen, die Streitkräfte Moskaus nicht besiegen können.“ Das aber sei falsch, wie die Ukraine vielfach bewiesen habe.

Um Putins Expansion zu stoppen, müsse er auf seinem eigenen Schlachtfeld besiegt werden. Damit das möglich wird, habe US-Präsident Joe Biden einige bahnbrechende Entscheidungen getroffen, einschließlich einem historischen neuen „Lend lease“-Programm und Lieferung von vier Mehrfachraketenwerfersystemen. Noch sei das aber zu wenig, um Russland Artilleriefeuer zu unterdrücken, die Ukraine brauche davon hunderte sowie allerlei andere „Waffen, die beweisen, dass der Westen entschlossen ist, uns dabei zu helfen, tatsächlich zu gewinnen – anstatt uns nur nicht verlieren zu lassen“.

Waffen seien aber nicht alles. Der Westen müsse Sanktionen gegen Russland verschärfen, dessen Exporte unterbinden durch ein vollständiges Energieembargo und indem Russland den Zugang zur internationalen Seeschifffahrtsindustrie abgeschnitten werde.

„Wir haben einen Weg zum Sieg“, so Kuleba. „Mit ausreichender Unterstützung kann die Ukraine sowohl Russlands Vormarsch stoppen als auch mehr seiner Gebiete zurückerobern.“ Es lautet: Die russischen Kräfte aus der Ukraine drängen. Was in Kiew gelungen sei, könne mit stärkerem Militär wieder klappen. Danach könne die Ukraine „aus einer Position der Stärke mit Russland sprechen“, um „eine faire diplomatische Einigung mit einem geschwächten und konstruktiveren Russland“ zu treffen. Putin sei kein Selbstmörder, so Kuleba, „ein Sieg der Ukraine wird nicht in einen Nuklearkrieg führen“.  PHK