Oleg Popow

Oleg Popow: der Sonnenclown

Er war einer der größten Spaßmacher der Welt, vor fünf Jahren, am 2.11.2016 ist Oleg Popow gestorben

von Peter Zehner
Oleg Popow
Oleg Popow: "Wenn ein Clown lacht, lacht die ganze Welt mit ihm. Wenn ein Clown weint, dann weint er allein."

War nun er oder Charlie Rivel der berühmteste Clown der Welt? Beide brachten die Menschen zum Weinen und Lachen, beide verehrten Charlie Chaplin, aber von Oleg Popow ist nicht bekannt, dass er Hitler bewundert hätte. Er hat nur die Sowjetunion verlassen, als sie dahinsiechte; aber nicht, weil er eine neue gesucht hätte.

Irina Serdyuk hat als Kind jeden Sonntag Popows Sendung „Budilnik“ (Der Wecker) gesehen. Der Clown mit der roten Nase und der karierten Schiebermütze gehörte zum Leben, „wie ein Freund, der, stets mit Wundertüten bepackt, zu Besuch kam“. Aber ganz plötzlich sei er weggewesen, schrieb sie in der taz. „In den Wirren der Zeit fiel das nicht weiter auf – damals Anfang der 90er Jahre. Da war so vieles plötzlich auf Nimmerwiedersehen verschwunden.“

Popows größte Nummer unter vielen großen war „Das Licht“, sie ist auf Youtube zu sehen. Er wärmt sich in die Manege an den Strahlen der Sonne, deren Urheber ein Scheinwerfer ist. Immer wieder entwischen sie, und der Clown läuft ihnen hinterher. Immer wieder kleines Glück, wenn er sie fängt. Bis eine Trillerpfeife ertönt, und der sie geblasen hat, schickt den armen Mann fort. Große Enttäuschung. – Aber dann eine große Idee. Sorgfältig und liebevoll kehrt er die Strahlen mit den Händen zusammen und steckt sie sachte in seine Picknicktasche. Sie leuchtet von innen, er lächelt glücklich und drückt die Tasche ans Herz. Das kam gut an in der UdSSR, wärmte das Publikum. Aber den Menschen im Westen gefiel das ebenso.

Und dort blieb Popow nach einer Tournee, im Westen. 1991 war das, ein Jahr nach dem Tod seiner Frau und einen Monat vor dem Ende der UdSSR. Mit der Rente, die ihn dort erwartete, hätte Popow nicht leben können. Und er wollte auch gar nicht aufhören, sondern weiter Clown spielen.

Das tat er dann auch, holländische Produzenten halfen. Irina Serdyuk, die 2001 Popows Pressesprecherin wurde, erzählt „von einer romantischen Geschichte mit einer Pferdeliebhaberin, die zu einer seiner Shows in Österreich in das überfüllte Zirkuszelt kam und stehen musste, weil es keinen freien Platz mehr gab“. Popow habe der jungen Frau einen Stuhl bringen lassen.

Nach der Vorstellung sei sie zu ihm gegangen, um sich zu bedanken. Er fragte nach ihrer Telefonnummer… Von 1991 bis zu seinem Tod vor fünf Jahren lebte Popow in Franken, auf einem Bauernhof in Egloffstein, nicht weit von Nürnberg, mit der Pferdeliebhaberin, die seine zweite Frau wurde.

Popow wurde vielfach ausgezeichnet, als „Volkskünstler der Sowjetunion“, mit dem „Goldenen Clown“, der höchsten Auszeichnung seines Genres. Aber die Frankfurter Allgemeine Zeitung konnte nach seinem Tod vor fünf Jahren nicht über ihren Schatten springen und nannte ihn „Oberclown des Sozialismus“. Freilich, ergänzt der Autor, seien die Sowjetbürger „selten in schallendes Gelächter ausgebrochen, sondern haben eher melancholisch gelächelt und eine Träne weggewischt, wenn dieser Komödiant in seinen Reprisen das ewige Streben der Menschen nach einem kleinen Glück thematisierte“.

Der Sonnenclown war auch ein guter Redner. Einmal zitierte er ein russisches Sprichwort: „Wenn ein Clown lacht, lacht die ganze Welt mit ihm. Wenn ein Clown weint, dann weint er allein.“ Vor fünf Jahren haben viele um ihn geweint.