Ostern

Ostern: Glanz und Gloria

Schokohasen sind beim russischen Osterfest verpönt, die Kirche feiert streng und traditionell

Ostern

In Glitzerfolie verpackte Hasen und Eier aus Schokolade? Gibt’s in Russland nicht. In Familien, die sich der Tradition eng verbunden fühlen, wird das Fest noch zelebriert. Oma steht häufiger als sonst in der Küche. Es duftet nach Gewürzen, Zitronenschale und warmer Milch. Oma backt Osterbrot oder ‑kuchen, Kulitsch genannt, die in etwa so riechen und schmecken wie traditionelle mailändische Panettone.

Oma bereitet auch Passcha zu, eine Art Quarkspeise. Und bald sitzt sie am Küchentisch, vor sich eine Schüssel hartgekochter mit Zwiebelschalen gefärbter Eier. Beobachtet von den Enkeln poliert sie die Eier mit einem weichen Tuch mit einem Tropfen Speiseöl, und es geschieht ein Mirakel: Die dunkelroten Eier fangen an zu glänzen und sehen nun wie aus Edelholz geschnitten aus. Das alles lässt Kinderaugen leuchten.

Der Kirchgang

In der Nacht von Samstag auf Sonntag treffen sich die Gläubigen zum Gottesdienst und Kreuzumzug in der Kirche. Dort wird das wichtigste christliche Fest des Jahres sehr seriös gefeiert, mit Gebeten und Weihrauch. Das kann dauern. Und weil es in der russischen orthodoxen Kirche keine Sitzplätze gibt, kann das sehr anstrengend sein. Trotzdem sind die Kirchen immer voll.

Nach dem Gottesdienst weiht der Priester die leuchtenden Eier, die alle Familien in Schüsseln mitgebracht haben, ebenso den duftenden Kuchen. Draußen vor der Kirche grüßen die Gläubige einander mit den Worten „Christos voskrese!“ (Christus ist auferstanden), genauso wie es in Griechenland ist (Christos anesti/Christus ist auferstanden). Darauf antwortet man: „Voistinu voskrese!“ (wahrhaft auferstanden).

Alle verschenken die mitgebrachten Eier, und Kinder und Junggebliebene machen sich den Spaß, die Eier gegeneinander zu schlagen. Gewonnen hat, wessen Schale ganz bleibt.

Aber bis dahin müssen die russischen Kinder dieses Jahr noch eine Weile warten. Wie Weihnachten so richtet sich auch Ostern in der christlich-orthodoxen Welt nach dem kirchlichen, julianischen Kalender. Darin ist das Fest zur Auferstehung Christi auf den ersten Vollmond des Frühlings festgelegt, der dieses Jahr auf den 2. Mai fällt. Allerdings kreist die Kirche zurzeit um Überlegungen, die Termine so anzupassen, dass die katholische und die russische orthodoxe Kirche am selben Tag Ostern feiern können.

Das Fest

Was bleiben wird, ist die Ernsthaftigkeit der Gottesdienste. Alles ist streng geregelt. Scherze über die Kirche oder lässige Sprüche sind verpönt. Die Frauen der Punkband Pussy Riot, ein oppositionelles Kunstprojekt aus Moskau, hat vor neun Jahren in der dortigen Christi-Erlöser-Kathedrale gegen diese Regeln verstoßen. Beim folgenden Prozess gegen sie wurde klar: Die Kirche in Russland würde noch strenger und orthodoxer sein als zuvor.

Und doch bleibt auch das russische Ostern ein Fest: bunt und fröhlich, aber sehr ernsthaft, streng und dogmatisch. Eier und Hasen aus Schokolade gehören nicht zur russischen Tradition.

Mit dem Osternacht wird auch eine 48-tägige Fastenzeit beendet. Am Ostersonntag treffen sich Familien und feiern zu Hause. Wie das Fest in die Zeiten von Corona-Pandemie aussehen wird, ist allerdings noch nicht ganz klar. Was aber ewig bleiben wird sind glänzende Eier, Kulitsch und Passcha sowie der kirchliche Segen.