Ukraine: Niemand will Krieg

Alexander Baunov: Ukraine, Russia, and United States Make Use of Donbas Tension Moscow Carnegie Center, 21.4.2021

Alexander Baunov sieht zwar Parallelen zwischen der Entwicklung im Donbass und jener 2008 im Norden Georgiens: Gesprächsstillstand, Aufflackern an der Grenze, Aufmarsch von Truppen. Außerdem könnte die neue, ukrainefreundlichere Regierung in den USA Kiew zum Versuch verleiten, seine abtrünnigen Regionen im Donbass zurückzuholen. "Die Idee einer schnellen Militäroperation zur Rückeroberung dieser Territorien ist unter ukrainischen Nationalisten populärer als der Versuch, das mühselige Minsker Abkommen umzusetzen."

Die Gefahr eines Kriegs ergebe sich auch dadurch, dass Russland auf die Idee kommen könnte, die USA müssten für ihre verbalen und ökonomischen Attacken und die unbedingte Unterstützung der russischen Opposition bezahlen, für den Kreml eine unstatthafte ausländische Einmischung.

Und doch gebe es einen entscheidenden Unterschied zu 2008: "Es ist unwahrscheinlich, dass eine der Seiten einen großen Krieg plant." Bidens Anruf und das Angebot zu einem Treffen an neutralem Ort zeige, dass eine ungehemmte Eskalation nicht Teil von Washingtons Plan sei. "Auch nicht eine gütliche Einigung hinter verschlossenen Türen." Biden werde keinen Deal hinter dem Rücken seiner Alliierten mit Putin abschließen.

Für Biden seien allerdings taffe Rhetorik und vorbeugende Eskalation notwendig, "um die unvermeidliche Konversation mit Russland auf einer anderen Basis als Trump zu beginnen". Der US-Präsident habe verstanden, "dass Kommunikation mit Moskau unvermeidlich ist, unabhängig davon, wer Recht hat. Denn Russland hat mehrfach bewiesen, dass es sich verteidigen kann – egal ob zurecht oder nicht – und dass es Manpower und Ressourcen hat, genau das zu tun."  PHK