Sputnik V: Potemkinsches Dorf

Mathias Brüggmann: „Sputnik V erinnert an ein Potemkinsches Dorf“, Handelsblatt, 29.5.2021

Als „Potemkinsches Dorf“ bezeichnet Mathias Brüggmann den russischen Impfstoff Sputnik V und spottet über Politiker wie Kurz und Söder, die „ebenso großspurig wie vollmundig“ dessen baldigen Einsatz in Österreich und Deutschland angekündigt hatten. Doch das Vakzin habe bis heute die Überprüfung der europäischen Arzneimittelbehörde Ema nicht bestanden. Anderen Ländern, die den Impfstoff in Russland bestellt hatten, erhielten nicht so viele Dosen wie versprochen.

„Russland ist industriell eine Weltmacht“, räumt Brüggemann ein. „Es hat gute Forscher, erfahrene Ingenieure, gigantische Rohstoffvorkommen – aber eben auch das, was auf Russisch ‚Chalatnost‘ heißt: eine Moskauer Mischung aus Verantwortungslosigkeit, leeren Versprechungen und Chuzpe.“

Im zugehörigen Bericht spricht Brüggmann von einem Hoffnungsträger, der ein Ladenhüter geworden sei. Ins Ausland wurden laut Gemaleya-Zentrums für Epidemiologie und Mikrobiologie nur acht Prozent der bestellten Impfdosen geliefert. Nur ein Bruchteil der Bestellungen sei erfüllt worden, einige Staaten hätten „nur symbolische Lieferungen bekommen“. Das liege an mangelnden Produktionskapazitäten. Die Menge der bisher produzierten Impfdosen reiche nicht einmal in Russland, um die „Herdenimmunität“ zu erreichen.

Außerdem habe Sputnik V ein Imageproblem – sogar in Russland selbst. „Nur knapp elf Prozent der Russen haben sich bisher mit dem Moskauer Mittel gegen das Coronavirus immunisieren lassen“, schreibt Brüggmann. „Sogar Mitarbeiter der Impfstofffabriken ließen sich nicht mit russischen Vakzinen impfen, berichten Industrievertreter unter der Hand.“  PHK