Taliban: Russland sollte nicht zu sicher sein

Kirill Krivosheev: Russia May Live to Regret Betting on the Taliban in Afghanistan, Carnegie Moscow Center, 18.8.2021

Die Vorhersagen in den USA und in Russland seien dieselben gewesen, schreibt Kommersant-Journalist Kirill Krivosheev: Präsident Ashraf Ghani würde noch Monate im Amt bleiben. Es sei nur wenige Tage her, dass Putins Gesandter in Afghanistan, Zamir Kabulov, gesagt habe, die Einnahme der Stadt Kandahar bedeute keineswegs, dass die Taliban demnächst auch die Hauptstadt einnehmen könnten. Es kam anders, so Krivosheev, und habe an den Rückzug der sowjetischen Truppen 1989 erinnert.

Als für Russland wichtig hält er fest fest: Präsident Ghanis Abgang sei kein Problem, das Verhältnis zu ihm sei stets schwierig gewesen. Die Taliban hätten die russische Botschaft beschützt und sich mit dem früheren Präsidenten Karzai, dem Vorsitzenden des Hohen Rates für Nationale Versöhnung Abdullah Abdullah und dem Führer der islamischen Hizb-e-Islami, Gulbuddin Hekmatyar, getroffen, auch in Moskau. Und führende Vertreter der afghanischen Elite seien dabei, sich dem neuen Regime anzudienen.

Für Russland wäre das beste Ergebnis, so Krivosheev, wenn eine Übergangsregierung entstünde, der auch Teilnehmer des Moskauer Meeting angehörten. Sein Land müsse nicht beunruhigt sein wegen der Ereignisse. Wie auch andere Nachbarn – China, Iran und Usbekistan – seien schon lange Kontakte mit den Taliban gepflegt worden, die Diplomaten all der genannten Staaten arbeiteten noch in Afghanistan.

Alle vier Staaten hätten vorhergesehen, dass die Taliban an die Macht kämen, „aber das augenblickliche Vertrauen in die militante islamistische Gruppe könnte von kurzer Dauer sein“. Es sei nicht wahrscheinlich, dass die jüngsten Versprechen der Taliban wie die „inklusive Regierung“ wahr werden. Dagegen würden Drogenhandel und religiöser Extremismus erblühen.

Alle Bemühungen von USA und NATO, einen relativ stabilen Staat in Afghanistan zu schaffen, seien gescheitert, und deren Gegner auf der ganzen Welt können sich freuen. Aber das größte Problem – das der Flüchtlinge – sei noch nicht erkannt: Die Taliban kontrollierten die Landesgrenzen, und im Moment trauen sich die Menschen ganz einfach nicht, ihr Glück an den Checkpoints zu versuchen. Ohne es zu schfeiben, scheint Krivosheev zu sagen: Noch.  PHK