Konfrontation in der Arktis?

Paul Stronski und Grace Kier: „A Fresh Start on U.S. Arctic Policy Under Biden“, Carnegie Moscow Center, 17.5.2021

Im Mai hat Russland den Vorsitz im Arctic Council übernommen. Paul Stronski und Grace Kier (Carnegie Endowment for International Peace) erwarten von der neuen US-Regierung eine größere Bereitschaft als unter Trump, in der Arktis multilaterale und gemeinsame Ansätze zu finden, um sich dem Klimawandel zu stellen. Nicht nur wegen Bidens Rückkehr zum Pariser Klimaabkommen haben sie Signale aufgenommen, wonach Bidens Team in einer Handvoll Schlüsselfragen Dialog und möglicherweise Kooperation sucht. So habe John Kerry, Bidens Klimagesandter, sofort Kontakt zum russischen Außenminister Lawrow und Putins Klimaberater Ruslan Edelgeriev gesucht.

Die enge Zusammenarbeit in der Arktis gehe schon auf Obamas Zeit zurück: in Fragen wie Fischereimanagement, Rettungsdiensten, Notfall-Eisbrechung und Verminderung von Umweltschädigung.

Trotzdem werde Biden einige von Trumps Politiken fortsetzen, auch die, Amerikas militärische und zivile Fähigkeiten zu verbessern, um im harschen arktischen Klima agieren zu können. Er werde auch auf den Eindruck reagieren, Russland vergrößere seine Präsenz in der Region. Wie die vorige Regierung werde auch diese auf mehr Nato-Marine und US-Luftwaffe setzen.

Das heiße nicht, die Arktis sei nun „eine Arena für strategischen Wettbewerb mit Russland und, zunehmend, China“. Im Gegenteil: „Die US-Politik wird Russland weiterhin als arktischer Schlüsselstaat betrachten und die andauernde Bedeutung der Region für Russlands ökonomische Entwicklung und Sicherheit beachten.“

Allerdings hätte das Muskelzeigen des Kremls in der Arktis die Sorgen der USA und anderer Nachbarstaaten verstärkt. „Die Biden-Regierung möchte keinen Konflikt in der Arktis, aber sie antwortet auf das, was sie als wachsende Gefährdungen durch Russland sieht.“ Einen größeren Vorfall zwischen Russland und dem Westen in der Arktis halten die Autoren dennoch für weniger wahrscheinlich „als sonstwo in Europa“, aber es sei sicher möglich „angesichts der nicht endenden Abwärtsspirale in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen“.  PHK