Bedroht AUKUS auch Russland?

Andrey Kortunov: Should Russia Be Worried by the New AUKUS Alliance? Carnegie Moscow Center, 29.9.2021

Carnegie Moscow Center AUKUS

Beschlüsse der NATO mögen ungenießbar für Russland sein, schreibt Andrei Kortunow, aber er räumt ein, dass sie „widerspruchsfrei und berechenbar“ seien. Dasselbe könne man für die Strukturen der trilateralen Allianz AUKUS nicht sagen.

Das Bündnis von Australien, USA und Vereinigtem Königreich sowie die kurzfristige Änderung des U-Boot-Jahrhundertvertrags zwischen Australien und Frankreich zugunsten der USA hätten in Russland gemischte Reaktionen hervorgerufen: Einige seien erfreut über den Konflikt zwischen den USA und Frankreich gewesen, andere besorgt, dass die neue Allianz genauso stark auf Russland ziele wie auf China. Einige schließlich verwiesen darauf, dass nun ein weiterer Nicht-Nuklearstaat Zugang zu nuklearen U-Boot-Technologien erhalte.

AUKUS und die Modernisierung der australischen Unterwasserflotte habe aber auch langfristige Folgen – auch für Russland:

Zunächst habe sich gezeigt, dass China die wichtigste Rolle in der US-Außenpolitik einnehme. Denn die atombetriebenen U-Boote hätten eine größere Reichweite als die dieselbetriebenen. Deshalb, so unterstellt Kortunow, ginge ihre Bestimmung über die Verteidigung Australiens hinaus.

Für Russland bedeute das, es werde künftig von den USA im Kontext der Konfrontation zwischen USA und China gesehen:

Das Weiße Haus könnte, so Kortunow, bei Moskaus Kooperation bei Militärtechnologie mit Neu Delhi und Hanoi ein Auge zudrücken, weil sie das als Gegengewicht zu Peking sehen könnten. Dagegen werde die fortgesetzte Hilfe Russlands bei Chinas Modernisierung der Marine genau inspiziert und möglicherweise Ursache für neue US-Sanktionen.

Sorgen bereite in Russland auch die (allerdings unwahrscheinliche) Aussicht, dass AUKUS erweitert werden könnte – durch Staaten wie Kanada, Neuseeland, Japan, Südkorea, eventuell Indien und Vietnam.

Sollte es Ziel sein, die „unvermeidbar an Bedeutung verlierende NATO“ durch eine „moderne Alternative“ wie AUKUS zu ersetzen, wäre dies, so Kortunow, „nicht zwingend in Russlands langfristigem Interesse“. Die NATO sei berechenbar (siehe oben), von AUKUS dagegen gingen zusätzliche politische Risiken aus.

Dessen Konzept bedeute, dass die Ozeane Ort der wichtigsten Frachtrouten bleiben, aber auch Hauptkriegsschauplatz zwischen USA und China werden. Für die Landmacht Russland sei das generell eine gute Sache. Aber Australiens U-Boote könnten theoretisch in ein paar Jahrzehnten hinauffahren zu den Küsten von Sachalin und Kamtschatka, sogar die Beringstraße und die Arktis durchkreuzen und so eine neue Bedrohung für die russische Flotte schaffen.  PHK