Bußgeld für Geringverdiener: Ungerechtigkeit bei Strafzahlungen!

Für die Nicht-So-Gut-Verdiener bleibt nur das Bußgeld

Soeben hat es aufgehört zu regnen. Die frische Luft ist erfüllt vom Duft des Frühlings. Ich nehme den Geruch der morgen scheinenden Sonne wahr, das frisch gemähte Gras der nächsten Tage. Vor meinen Augen sehe ich Zitroneneiskugeln und Haut, die endlich wieder gesund aussieht.

Mein Sohn erzählte mir, dass er dieses Jahr bereits 14 Wochen keinen regulären Schulunterricht genießen konnte. In der Kita und im Hort wird jede Woche gestreikt. Erlangen, die entzückende kleine Stadt, in der wir leben, steht vor einem Haushaltsdefizit von 120 Millionen Euro. Das von Sozialdemokraten geführte Rathaus hat aus Gründen der Klimagerechtigkeit Anwohnerparkplätze in Elektroladestationen umgewandelt. An den vier Stationen vor den schlichten Mehrfamilienhäusern, wo man nun nur noch während des Ladens für drei Stunden parken darf, wurden sechs Parkplätze entfernt. Diese Ladestationen sind meistens unbenutzt.

Wenn sie jedoch genutzt werden, dann von teuren Fahrzeugen wie Teslas oder E-Autos von Mercedes oder BMW, oft mit Kennzeichen aus Thüringen oder Niedersachsen. Die Anwohner selbst kreisen derweil mit ihren alten Benzinern auf der Suche nach einem Parkplatz, bevor sie resigniert auf den Ladeplätzen parken und ein Bußgeld riskieren. Klimagerechtigkeit scheint ihren Preis zu haben, denke ich. Jeder trägt bei, so gut er kann. Die Besserverdienenden zahlen 80.000 Euro für ihr elektrisches Zweitauto, und die weniger Gutverdienenden zumindest das Bußgeld.

Auf dem Flohmarkt auf dem Parkplatz eines Baumarktes erstand ich kürzlich einen Kalender der Zigarettenmarke HB, vermutlich aus den 60er-Jahren. Er ist in Glas gefasst, und über Drehknöpfe an den Seiten lassen sich Wochentag, Datum und Monat einstellen. Die abgebildete Zigarettenschachtel ist noch ein richtiges Etui aus gepresstem Karton. Darunter steht: „Genießen Sie mit frohem Herzen – eine Filterzigarette, die schmeckt“.

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Meine Tochter fragte mich neulich, warum auf den heutigen Zigarettenschachteln so abschreckende Bilder zu sehen sind. Sie zeigen verfaulte Zehen und schlechte Zähne. Sie meinte, die Packungen würden viel schöner aussehen, wenn sie stattdessen mit Blumen oder Schmetterlingen bedruckt wären. Sie hat natürlich recht. Aber was bedeutet Schönheit, wenn es um die Gesundheit geht?

Ich lese die Tageszeitungen und lege sie dann zur Seite. Ein Hund verrichtet sein Geschäft auf dem Rasen vor meinem Haus. Ein Mann zieht eine Plastiktüte aus der Tasche seiner Trainingsjacke, greift hinein, hebt den warmen, dampfenden Kot seines Hundes auf. Er muss das jedes Mal fühlen, denke ich. Das muss Liebe sein. Er wendet die Tüte um, sodass seine Hand außen und der Kot innen ist, verknotet sie und wirft sie in meine Biotonne.

Heute wird mir alles zu viel. Ich gehe auf den Friedhof, den Ort, den ich gerne besuche. Dort lese ich die Namen der Verstorbenen, setze mich auf eine Bank und rauche. Natürlich zeigt die Schachtel wieder einen hässlichen Fuß und keinen Schmetterling. Gegenüber meiner Bank steht ein Gestell mit 17 Gießkannen, die mit Fahrradschlössern gesichert sind. Sie sind in verschiedenen Farben: grün, braun, schwarz, blau, rot und gelb. Ich denke darüber nach, dass, wenn am Ende meines Lebens auch nur eine Person gelegentlich die Blumen auf meinem Grab gießt, mein Leben nicht umsonst gewesen sein kann.

Unser Autor Frédéric Schwilden berichtet regelmäßig in seinen „Notizen aus der Provinz“ über das Leben dort – vom Kürbisfest in Muggendorf bis zur Kartoffel-Döner-Bratwurst in Schleswig-Holstein.

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