Die ungewöhnliche Karrierewahl einer Schauspielerin
Als Kind faszinierte Gesine Cukrowski die Figur des Jesus so sehr, dass sie nach dem Ansehen des Vierteilers „Jesus von Nazareth“ von Franco Zeffirelli am Karfreitag den Wunsch hegte, Nonne zu werden. Ihr kindlicher Gedanke war, dass sie auf diese Weise zumindest symbolisch mit Jesus verheiratet sein könnte. Heute, im Alter von 56 Jahren, ist Cukrowski unverheiratet und hat stattdessen eine fast vier Jahrzehnte währende erfolgreiche Karriere als Schauspielerin hinter sich, in der sie eine Vielzahl unterschiedlichster Rollen verkörpert hat.
Bei einem gemütlichen Gespräch in einem Café am Ufer der Spree in Berlin, erinnert sie sich an ihre frühen Träume und erzählt von ihrem Weg zur Schauspielerei. Ihre Karriere zählt sie zu den angesehensten in der deutschen Filmindustrie.
Vom Theater zur Initiative für mehr Sichtbarkeit der Frauen
Neben ihrer Arbeit vor der Kamera und auf der Theaterbühne, wo sie häufig mit der „deutschen Sharon Stone“ verglichen wird, macht Gesine Cukrowski auch durch ihr soziales Engagement auf sich aufmerksam. Gemeinsam mit der Journalistin Silke Burmester gründete sie vor zwei Jahren die preisgekrönte Initiative „Let’s Change The Picture“, die sich für die Sichtbarkeit von Frauen über 47 in deutschen Medien stark macht.
In ihrem kürzlich veröffentlichten Buch „Sorry Tarzan, ich rette mich selbst! Raus aus der Klischeefalle“, das beim Herder Verlag erschienen ist, setzt sie sich mit den diskriminierenden Strukturen und patriarchalischen Missständen in der Filmbranche auseinander. Cukrowski ist entschlossen: „Es ist Zeit für eine Veränderung, die Grenzen sprengt.“
Das neue Selbstverständnis einer Rebellin
Die WELT sprach mit Gesine Cukrowski über ihre Rolle als Rebellin im deutschen Film. Cukrowski, die sich in ihrer Karriere oft gegen das stereotype Bild der schüchternen Frau gewehrt und stattdessen starke, unabhängige Charaktere verkörpert hat, sieht sich selbst in einer Rolle, die sie schon immer gereizt hat.
In ihrem Engagement gegen die Diskriminierung von Frauen in der Schauspielbranche zeigt sie sich unerschrocken. Die #MeToo-Bewegung hat ihr zusätzlichen Mut gegeben, offen über die Probleme zu sprechen. „Es braucht einen richtigen Knall“, sagt sie lachend und verweist auf die Notwendigkeit, das Thema Wechseljahre aus der Tabuzone zu holen und die realen Lebensumstände von Frauen mittleren Alters in den Medien abzubilden.
Die Diskussion um die „Fuckability“ von Schauspielerinnen, die nach wie vor ein großes Problem in der Branche darstellt, kritisiert Cukrowski scharf. Sie betont, dass Frauen kein Verfallsdatum haben und dass es absurd sei, Rollen nach Körperformen und zugeschriebenen Charaktereigenschaften zu besetzen.
Auch die Altersdiskriminierung ist ein Thema, das Cukrowski besonders am Herzen liegt. Trotz einiger prominenter Beispiele wie Maria Furtwängler oder Katja Riemann, die auch jenseits der 50 erfolgreich sind, sieht Cukrowski noch großen Handlungsbedarf in der Branche.
Zur Person:
Gesine Cukrowski, geboren am 23. Oktober 1968 in West-Berlin, studierte nach dem Abitur zunächst Germanistik und Theaterwissenschaften, dann Religionswissenschaften und Psychologie. Nach der Schauspielschule erlangte sie Bekanntheit durch ihre Rolle als Gerichtsmedizinerin Dr. Judith Sommer in der ZDF-Krimiserie „Der letzte Zeuge“ an der Seite von Ulrich Mühe. In über 200 Film- und Theaterproduktionen hat sie mitgewirkt. Mit dem Drehbuchautor Michael Helfrich ist sie seit 25 Jahren liiert, hat eine Tochter und übernahm die Vormundschaft für die beiden Kinder von Ulrich Mühe (†2007) und Susanne Lothar (†2012). Für ihr Engagement in sozialen sowie frauen- und gleichstellungspolitischen Bereichen wurde sie im März mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
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Jonas Feldmann ist ein erfahrener Journalist mit Schwerpunkt auf Wirtschafts– und Finanzthemen. Seine Analysen und Hintergrundberichte bieten tiefgehende Einblicke in die deutsche und internationale Wirtschaft.