Revolution im Recycling: Neue Mülleimer testen für Pizzakartons, weil Nutzer sie nicht falten!

August 28, 2025

Tests mit Mülleimern für Pizzakartons – weil viele Nutzer nicht fähig sind, zu knicken

In der Stadt Köln befinden sich laut städtischen Angaben 23.500 öffentliche Abfallbehälter. Drei davon, was 0,013 Prozent entspricht, sind speziell nur für Pizzakartons vorgesehen. Diese wurden vor Kurzem als Teil eines Experiments eingeführt, um mit innovativ gestalteten Mülleimern zu testen.

Die Standorte dieser speziellen Behälter sind strategisch an belebten Plätzen sowohl am Rheinufer als auch im Stadtzentrum gewählt. Einer der Behälter ist mit Halterungen ausgestattet, in die man die Kartons einspannen kann. Dort finden maximal fünf Pizzakartons Platz. Die anderen beiden können jeweils mindestens zwölf Kartons aufnehmen.

Ähnliche Initiativen gibt es auch in Düsseldorf, wo die Stadt seit diesem Sommer ebenfalls die Einführung von speziellen Mülleimern für Pizzakartons testet. Hier wurden elf herkömmliche graue Mülleimer so umgerüstet, dass sie einen breiten Schlitz erhalten, der genau für Pizzakartons geeignet ist.

Pizzakartons stellen, besonders an Orten wo häufig gefeiert wird, ein bekanntes Müllproblem dar. An Wochenenden, nach durchfeierten Nächten, ist der typische Abschluss oft ein Bier und eine Pizza to go, was in Städten wie Köln, Hamburg, München oder Berlin zu beobachten ist.

Doch wohin mit den leeren Kartons? Normale öffentliche Mülleimer sind nur für zusammengefaltete Kartons ausgelegt. Das Zusammenfalten eines solchen Kartons, besonders mit fettigen Händen und einem erhöhten Alkoholpegel, stellt für viele eine große Herausforderung dar. Im besten Fall ragen die Kartons halb aus den Mülleimern heraus und blockieren diese für weiteren Abfall. Im schlimmsten Fall enden sie auf Gehwegen oder in Parks. Dieses Phänomen wird als „Littering“, also achtloses Wegwerfen von Müll, bezeichnet.

Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe, einer Organisation, die sich in Radolfzell am Bodensee für Umwelt- und Klimaschutz einsetzt, werden in Deutschland jährlich 453 Millionen Pizzakartons verbraucht. Wie viele davon ordnungsgemäß entsorgt werden, ist ungewiss, jedoch landen viele davon an Orten, an denen sie nicht hingehören.

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„Diese neuen Einrichtungen sollen die Entsorgung von Pizzakartons im öffentlichen Raum vereinfachen“, erklärt die Stadt Köln. Die drei Testmülleimer werden täglich geleert, und die Stadt führt Buch darüber, wie die Mülleimer von der Bevölkerung angenommen werden. Die Pilotphase läuft bis Ende September, danach soll entschieden werden, ob eine der Varianten in größerer Anzahl aufgestellt wird. Auch die Testphase in Düsseldorf ist bis zum Herbst angesetzt, und beide Städte bewerten die bisherige Resonanz positiv.

Pizzakarton-Spezialmülleimer mögen ungewöhnlich klingen, sind jedoch nicht die Innovation des Jahres. Solche Behälter wurden bereits vereinzelt in Städten wie Mönchengladbach, Dachau oder im Ostseebad Boltenhagen eingeführt. Mit Düsseldorf und Köln nehmen nun zwei bekannte Partyhochburgen die Herausforderung an, die Flut an Pizzakartons einzudämmen. Dass dies ausgerechnet im Jahr der Kommunalwahl in NRW passiert, könnte auch politisch motiviert sein. Sauberkeit in der Stadt ist ein ständiges Thema.

Auch abseits von Wahlen wird deutlich: Die Kreativität im Umgang mit der Vermüllung des öffentlichen Raums nimmt zu. In Düsseldorf wurden beispielsweise im Frühjahr „Abstimm-Aschenbecher“ installiert. Achtlos weggeworfene Zigarettenstummel sind ein ernstes Umweltproblem. Diese Aschenbecher hatten zwei Öffnungen und trugen Fragen wie „Alt oder Pils?“, wobei die Wahl der Öffnung eine spielerische Abstimmung ermöglichte. Ziel war es, das Umweltbewusstsein zu stärken und nebenbei unterhaltsame Statistiken zu sammeln.

In Berlin setzt man ebenfalls auf Kreativität, indem man auf städtischen Mülleimern witzige Sprüche anbringt, wie „Tonnolulu“ oder „Louis Vuitonne“. Auf Müllwagen findet man Sprüche wie „Make love, not waste“. An manchen Orten sind zwei Mülleimer an einer Stange befestigt, einer für „Kinderleicht einwerfen“, der andere für „Kinderschwer einwerfen“. Dies ist ein Beispiel für „Nudging“, eine Methode, bei der das Verhalten der Menschen sanft in eine gewünschte Richtung gelenkt wird. Es ist manipulativ, aber dient einem guten Zweck: dem Umweltschutz.

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Dennoch wäre es besser, wenn Einwegmüll gar nicht erst entstünde, meint Annika Schall, Expertin für Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe. Sie verweist auf Tübingen, das eine Steuer auf Einweg-Verpackungen eingeführt hat, sowie auf weitere Städte, die ähnliche Maßnahmen planen. In Freiburg wird eine solche Steuer für 2026 erwartet. Zudem gibt es in der Gastronomie seit 2023 eine „Mehrwegangebotspflicht“. Es bewegt sich also etwas im Kampf gegen das „Littering“. Schall ist vorsichtig optimistisch, dass diese Maßnahmen Wirkung zeigen werden.

Ob die Spezialmülleimer in den rheinländischen Städten einen Teil der Lösung darstellen werden, bleibt abzuwarten. Vor allem das Kölner Modell, das nur fünf Kartons fasst und von Designstudenten entworfen wurde, scheint noch nicht ausgereift. Ohne eingeklemmte Kartons ist nicht ersichtlich, wofür die Halterungen gedacht sind. Kein Hinweisschild erklärt ihren Zweck. Eine Mitarbeiterin eines nahegelegenen Lokals berichtet kopfschüttelnd, dass die Umrüstung eines Standard-Mülleimers vier Stunden dauerte. Trotz der Bemühungen der Handwerker landen die Kartons weiterhin überall, nur nicht in den vorgesehenen Mülleimern.

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