Ein Goldenes Löwen-Werk ohne dramatische Züge? „Father Mother Sister Brother“ zeigt, was Jarmusch zu einem herausragenden Regisseur macht.
Ungewöhnlicher als das Paradies, realer als das wirkliche Leben: Noch nie war Jim Jarmusch so minimalistisch.
Kinokunst, wie zufällig entstanden
Reduktion und Minimalismus waren schon immer zentrale Elemente in Jim Jarmuschs Filmen, als ob das Kino von Ozu nonchalant gegen eine Wand im West Village lehnen würde – ein Ausdruck von Understatement und Coolness. Mit „Father Mother Sister Brother“, seinem ersten Werk nach der gemischten Resonanz auf die Zombiekomödie „The Dead Don’t Die“, vertieft er diesen Ansatz. Der Film wirkt wie eine Momentaufnahme aus dem echten Leben, die sich erst im letzten der drei Akte („Father“, „Mother“, „Sister Brother“) daran erinnert, dass es sich um eine Inszenierung handelt, nicht nur um eine Beobachtung.
Das Ergebnis ist ein eigenartiger Film, schwer fassbar, der jedoch alle Merkmale trägt, die Jarmuschs Werke auszeichnen – eine gelassene, haiku-ähnliche Atmosphäre –, hier jedoch so realisiert, als ob ein Neuling, und nicht ein Schüler von Nicholas Ray, hinter der Kamera stünde.
Drei Schauplätze, ein verbindendes Thema
Die drei Episoden des Films sind unabhängig voneinander, mit unterschiedlichen Charakteren und spielen in New Jersey, Dublin und Paris. Verbunden sind sie durch das zentrale Thema – die Beziehungen erwachsener Kinder zu ihren entfremdeten Eltern – sowie durch eine raffinierte Farbgestaltung und das Wiederkehren bestimmter Motive und Dialoge.
„Es sieht so aus, als wären wir zufällig farblich abgestimmt – wie peinlich“, bemerkt Charlotte Rampling in einer Szene und zwinkert dabei fast in die Kamera. Jarmusch zwinkert zurück. Er war selbst überrascht, mit diesem Experiment den Goldenen Löwen in Venedig zu gewinnen.
Unsere Bewertung: Fünf Sterne
„Father Mother Sister Brother“ erscheint am 26. Februar in den Kinos.
Regie: Jim Jarmusch, Darsteller: Adam Driver, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Charlotte Rampling, Tom Waits, Mayim Bialik.
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