Schockierende Enthüllungen: Balu der Bär – Ein übergriffiger Lügner und kein gemütlicher Freund!

Balu und Mogli

Josef Winklers neue Kolumne: Ein Bär und die Illusionen des Raubtierkapitalismus – Wortspiel beabsichtigt.

„Probier’s mal mit Gemütlichkeit…“, summt E. vor sich hin. Ich kneife sie in den weichen Oberarm. E. (mit Vorwurf in der Stimme): „Du versuchst es gar nicht mit Gemütlichkeit, du kneifst mich ständig in den Arm!“ Ich: „Hmm. Eigentlich versuche ich es ja mit Gemütlichkeit.“ E. (bestimmt): „Aber es gelingt dir nicht, gemütlich zu sein!“

Diese niedliche kleine Unterhaltung, über die ich kürzlich beim Durchsehen alter Akten gestolpert bin, ereignete sich im Jahr 2016, als meine Tochter E. sechs Jahre alt war. Viele sehnen sich nach diesem Jahr zurück, weil damals alles „gefühlt“ noch irgendwie behaglicher war. Nein, Gemütlichkeit ist nicht mein Ding, das muss ich zehn Jahre später ganz sachlich feststellen – wobei, „sachlich“… Ich spreche nur von einem weiteren missglückten Dry January. Jedenfalls hatte meine Tochter schon damals mit ihrer kindlichen Weisheit recht genau erfasst, wie die Dinge stehen und wohin sie führen werden. Wer es heute immer noch, wie von Balu dem Bären vorgeschlagen, „mit Ruhe und Gemütlichkeit“ versucht, muss seit mindestens 2016 offline unter einem Felsen leben und den ganzen Tag Hits der 70er, 80er und das Beste aus den 90ern hören oder er bekommt eine Drohung mit Sanktionen vom Jobcenter.

Balu meinte es sicher nicht so naiv

Allerdings war die Vorstellung, man könne „mit Ruhe und Gemütlichkeit“ gut durchs Leben kommen, im leistungs- und ausbeutungsorientierten Kapitalismus schon immer eine Illusion oder zumindest fragwürdig. Sie diente als beruhigender Appell an die unterprivilegierten Massen: Sei zufrieden mit dem, was du bist und hast, strebe nicht nach Höherem, lehne dich nicht auf, sondern sei im Sinne des „allgemeinen Wohlstands“ ein ruhiger und gemütlicher Konsument, dann „wird auch das Glück zu dir kommen“. Klingt gut, oder?

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In der amerikanischen Originalversion treibt der vermeintlich naive Proto-Hippie Balu diese Erzählung auf die Spitze: „Don’t spend your time lookin’ around / for something you want that can’t be found (…) I’ll tell you something true / The bare necessities of life will come to you!“ Bleibe bescheiden, selbst wenn dir nur das Allernötigste zum Überleben bleibt! Es wird schon niemand verhungern! Haha! Wer auf dieses Minimalversprechen zivilisierter Gesellschaften noch setzt, kann nun unter dem faschistischen Regime Trumps, das Millionen Menschen die grundlegendsten Notwendigkeiten wie Nahrung, Gesundheitsversorgung und Menschenrechte entzieht, zusehen, wie seine Kinder sterben. D’oh!

Ja, ich weiß, so hat der naive Balu das sicher nicht gemeint, und ebenso wenig diesen anderen Satz, den ich schon lange als irgendwie übergriffig empfand und der nun auf abscheulichste Weise von den Weltzerstörern Trumputin „gelebt“ wird: „Wenn etwas appetitlich ist, dann nimm es dir, egal, von welchem Fleck.“ Oh, Balu. Man wünschte, wenigstens ein singender Zeichentrickbär würde ab und zu darüber nachdenken, was er da so von sich gibt.

Diese Kolumne erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 3/2026.

Josef Winkler schreibt für MUSIKEXPRESS. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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