Lebenslektionen durch „Impostor“: Entdecken Sie, was Gesellschaftsspiele über uns verraten!

August 29, 2025

Was man beim Gesellschaftsspiel „Impostor“ übers Leben lernt

Möglicherweise ist eine Vorsichtsmaßnahme angebracht: In den folgenden Zeilen wird der Leser nichts entdecken, was für erhöhten Blutdruck oder hitzige Diskussionen sorgt. Vielmehr behandelt dieser Text versöhnliche Momente. Es besteht das Risiko, dass man als Leser schnell das Interesse verliert – vielleicht verflüchtigt durch den ersten Herbstwind. Ich spreche über ein Brettspiel, das auf den ersten Blick nur Zeitvertreib zu sein scheint, jedoch tiefe Einblicke in die menschliche Natur – seine Niedertracht und seine Erhabenheit – gewährt.

Diejenigen, die sich mit Spielen auskennen, haben es vielleicht schon erraten: Es handelt sich um „Impostor“. Kurz erklärt funktioniert es folgendermaßen: Jeder am Tisch kennt einen bestimmten Begriff, ausgenommen ein oder zwei Personen. Niemand weiß, wer die Unwissenden sind. Die Eingeweihten müssen die Ahnungslosen identifizieren, welche sich wiederum nicht zu erkennen geben dürfen. Jeder Teilnehmer gibt reihum einen Hinweis. Wenn der geheime Begriff beispielsweise „Klassik“ ist, könnte jemand sagen: „unter anderem Bratschen“ (was ziemlich offensichtlich wäre). Auch die Unwissenden müssen sich äußern, und zwar so, dass ihr Unwissen nicht auffällt. Sie sind die Betrüger, nach denen das Spiel benannt ist.

Mag das Spiel auch kompliziert klingen, so hängt es doch stark vom Alter und dem Verhältnis der Spieler untereinander ab, ob die Hinweise eindeutig oder rätselhaft sind. Als das Stichwort „Zeichentrick“ war, sang ein Mitspieler aus dem Jahr 1967 das Lied „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ aus „Das Dschungelbuch“. „Lampe“, der Vorschlag eines 13-Jährigen, war für die Erwachsenen unbegreiflich, während Kinder und Jugendliche am Tisch es sofort verstanden.

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Generationsunterschiede werden oft durch solche Spiele aufgelöst. Als der geheime Begriff „Schreibtisch“ lautete, sagte der Jugendliche „Blaubeeren“, was nur seine Familie verstehen konnte, da sein Schreibtisch zu Hause mit Blaubeerflecken übersät ist.

Das Spiel ist eine Schatztruhe für jeden, der sich für Sprache und menschliches Verhalten interessiert. Die Strategien und Täuschungsmanöver eines Zehnjährigen sind grundlegend anders, aber nicht weniger raffiniert als die eines 58-Jährigen. Jeder Spieler muss ständig überlegen: Wen möchte ich erreichen, wen muss ich täuschen, wie entkomme ich der Situation?

Solche Fragen begleiten uns durch das ganze Leben: Der Lehrer unterbricht meine Tagträume und erwartet eine Antwort auf eine Frage, die ich nicht mitbekommen habe? Bei einem Dinner wird über „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ von Thomas Mann gesprochen, und ich möchte nicht ungebildet wirken, weil ich die Verfilmungen nicht kenne? Wie stehe ich eigentlich zu KI, während ich heimlich immer noch Google nutze?

Im Unterschied zum alltäglichen Leben gibt es bei „Impostor“ nur Gewinner. Vor allem, wenn die Spieler sich gegenseitig aufs Korn nehmen, bloßstellen und in die Irre führen. Dabei ist es entscheidend, niemals zu vergessen, dass es sich lediglich um ein Spiel handelt. Wir sind alle Lügner und Betrüger. Und zum Schluss wird gemeinsam abgewaschen.

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