Sandra Hüller zusammen mit anderen Kulturschaffenden engagiert sich vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, um eine mögliche Alleinregierung der AfD zu verhindern.
Vor der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bringen sich namhafte Persönlichkeiten aus Kultur, Sport und Musik in den politischen Diskurs ein. Sie tun dies mit der Absicht, die Frage nach der zukünftigen Ausrichtung von Gesellschaft und Kulturpolitik zu thematisieren.
Sandra Hüller, bekannt aus „Anatomie eines Falls“ und eine der renommiertesten deutschen Schauspielerinnen auf internationaler Ebene, setzt sich öffentlich gegen eine mögliche Alleinregierung der AfD in Sachsen-Anhalt ein. Unterstützt wird sie dabei von Kollegen wie Christian Friedel aus „The Zone of Interest“, Anna Schudt und Max Simonischek.
Unter dem Leitsatz „Wahre Heimatliebe ist“ fördert der Verein „Mehr als uns trennt“, die Idee, eine absolute Mehrheit der AfD bei der bevorstehenden Wahl am 6. September zu verhindern. Die Kampagne findet Unterstützung in der breiten Öffentlichkeit, einschließlich der Filmindustrie, Sport, Wissenschaft und Wirtschaft. Geplant sind unter anderem Plakataktionen, eine multimediale Kampagne und eine Bustour durch das Bundesland.
Warum gerade zu diesem Zeitpunkt?
Die politische Lage in Sachsen-Anhalt ist besonders angespannt. Laut aktuellen Umfragen könnte die AfD mehr als 40 Prozent der Stimmen erreichen, während die CDU bei etwa einem Viertel liegt. Kleinere Parteien wie die Grünen, die FDP und die BSW könnten an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, was der AfD nahezu eine absolute Mehrheit in der Sitzverteilung ermöglichen würde.

Ein weiterer bedenklicher Punkt ist die Einstufung des Landesverbandes Sachsen-Anhalt durch den Landesverfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ seit November 2023. Zuvor galt der Landesverband bereits seit 2021 als Verdachtsfall. Die Hochstufung erfolgte aufgrund verfassungsfeindlicher Positionen und einer zunehmenden Radikalisierung.
Diese Umstände verleihen der Wahl eine überregionale Bedeutung. Eine AfD-geführte Landesregierung wäre ein bisher unerhörtes Szenario in der Geschichte der Bundesrepublik, weshalb auch politisch und institutionell bereits über mögliche Konsequenzen diskutiert wird.
Kulturpolitik steht auf dem Spiel
In ihren kulturpolitischen Aussagen legt die AfD großen Wert auf die deutsche Sprache, Geschichte, Tradition und eine sogenannte deutsche Leitkultur. Ein Positionspapier der AfD-Bundestagsfraktion aus dem Jahr 2026 fordert, dass Kulturförderung sich künftig an „Volk, Freiheit und Nation“ orientieren soll. Zudem soll staatliche Kulturförderung verstärkt nach dem nationalen Stellenwert der Kunst entscheiden.

Weiterhin spricht sich die AfD gegen „identitätspolitische Vorgaben“ in der staatlichen Filmförderung aus und fordert eine Begrenzung der kulturpolitischen Aktivitäten des Bundes, bei gleichzeitiger Betonung der Kulturhoheit der Länder.
Diese Positionen haben direkte Auswirkungen auf die Arbeit von Künstler:innen und Kultureinrichtungen, da sie bestimmen, welche Projekte gefördert werden und somit realisiert werden können.
Prominente als politische Akteure
Die Kampagne mit Sandra Hüller und Christian Friedel legt ihren Fokus weniger auf Parteipolitik, sondern mehr auf gesellschaftliche Identität. Mit dem Slogan „Wahre Heimatliebe ist …“ sollen Bürger:innen selbst ihre Definition von Heimat formulieren, um den Begriff neu zu besetzen — nicht als Abgrenzung, sondern als verbindendes Element.
Auch weitere gesellschaftliche Gruppen positionieren sich im Vorfeld der Wahl. Der Deutsche Gewerkschaftsbund setzt sich für ein weltoffenes Sachsen-Anhalt ein, das Bistum Magdeburg betont Werte wie Menschenwürde, Nächstenliebe und Solidarität, und ein Bündnis von Kultureinrichtungen startete die Kampagne „Stolz auf Vielfalt“.
Die essentielle Frage der Kulturpolitik
Die intensive Beschäftigung der AfD mit kulturpolitischen Themen zwingt die Kulturszene dazu, sich politisch zu äußern. Der tatsächliche Konflikt beginnt nicht erst mit dem Wahlkampf, sondern mit der grundlegenden Frage, wer kulturelle Zugehörigkeit definiert und was als „deutsch“ gelten darf. Wenn die AfD von Heimat, Tradition und nationaler Identität spricht, betrifft das nicht nur die Rhetorik, sondern auch Museen, Theater, Filmförderung und die Erinnerungskultur. Die Positionierung von Kulturschaffenden gegen diese Richtung ist daher ein Schutz des kulturellen Raums, in dem ihre Geschichten entstehen.
Leah Lou Blank schreibt für MUSIKEXPRESS. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.
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