80 Jahre Überfall auf die UdSSR

‚Victor ist den Heldentod gestorben‘

Der Präsident des Moskauer IMEMO über die Toten seiner Familie und wie es weiterging

Alexander Dynkin, IMEMO
Blickt zurück auf eine tragische Familiengeschichte: Alexander Dynkin, Präsident des Moskauer Instituts für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen (IMEMO)

Als jemand, der nach dem Krieg geboren wurde und kein Historiker ist, habe ich wenig zum gewaltigen Korpus an Dokumenten, historischen Forschungsarbeiten, Memoiren und Tagebüchern von Kriegsteilnehmern beizutragen. Aber vielleicht anhand familiärer, ganz persönlicher Erfahrungen.

Noch bevor der Juni 1941 zu Ende ging, waren alle Männer aus meiner Familie zu den Wehrkommissariaten gegangen, um sich für den aktiven Militärdienst zu melden. Das war im Sommer 41 eine ganz selbstverständliche Entscheidung in einem Land, das soeben in einen Kampf auf Leben und Tod geraten war. Keiner von ihnen wusste, wie man kämpft.

Der Bruder meiner Mutter, Aljoscha Golubowski, von Beruf Bühnenbildner, befand sich am schon am 10. Juli in Stellung. Der Bruder meines Vaters, der zu der Zeit mit ausgezeichneten Leistungen Mathematik studierte, kam auf die Artillerieschule in Podolsk, wo im Schnellverfahren Offiziere ausgebildet wurden. Mein Vater durfte nicht zur Armee, er war leitender Konstrukteur in einem Rüstungsbetrieb in Woronesch, wo er die letzten Tests des neuen, leistungsstarken Flugzeugmotors M-250 (Startnennleistung 2500 PS) vornahm.

Diese Motoren waren dreimal so stark wie die zu diesem Zeitpunkt in der Roten Armee verfügbaren Flugmotoren. Der erste Start auf dem Teststand erfolgte am frühen Morgen des 22. Juni 1941, noch vor dem Angriff der Wehrmacht auf die UdSSR. Alle Konstrukteure und Ingenieure erschienen zu dem lang erwarteten Ereignis in ihren Paradeuniformen.

Die Tests verliefen gut, aber gegen Ende löste sich ein Ölschlauch, und viele wurden von heißem Maschinenöl verletzt. Ich fragte meinen Vater, ob das nicht etwa ein böses Omen sei. Er, mit Leib und Seele Ingenieur, antwortete: Nein, es war ein Unfall. Wahrscheinlich hat ein Techniker eine Klemme nicht richtig festgezogen.

Der Feind rückte schnell vor

Die Lage in der Stadt war nervös, man hob Panzerabwehrgräben und Schützengräben aus. Nachts bezogen die Werksangehörigen in den Schützengräben Wachtposten, bewaffnet mit Dreiliniengewehren.

Die Truppen der Wehrmacht rückten rasch auf Woronesch vor, und Ende Juli 1941 beschloss man, das Werk weiter nach Osten auszulagern, in die Stadt Ufa in Baschkirien. Nach 28 Tagen Fahrt erreichte der Tross, bestehend aus den Werksangehörigen und ihren Familien, den Güterwagen mit den Prüfständen, Maschinen und Prototypen, seinen Bestimmungsort. Meine Mutter und mein Vater reisten zusammen in einem beheizbaren Güterwagen, einer „Tepluschka“, einem Güterwagen für den Mannschaftstransport, der mit einem Kanonenofen geheizt werden konnte.

Am Ziel angekommen, wurde unverzüglich mit der Montage der Maschinen begonnen, oft unter freiem Himmel. Man hoffte, bis zum Winter ein Dach aufstellen zu können. An irgendwelche Neuentwicklungen war nicht mehr zu denken. Das Werk warf jetzt schon im Akkord Serienmotoren für die Frontflieger und Jagdbomber aus.

Man arbeitete ohne Pause, freie Tage oder Urlaub gab es nicht. Untergebracht waren wir in den Hütten der baschkirischen Bauern. Alle hungerten. Meine Mutter und meine Großmutter tauschten in den Nachbardörfern ihre Kleider und ihren Schmuck gegen Kartoffeln.

Vor Moskau liefen schwere Gefechte. Der Angriff auf die Hauptstadt begann am 30. September durch einen Vorstoß der Panzergruppe 2 der deutschen 2. Armee unter Generaloberst Heinz Guderian. Victor, der Bruder meines Vaters, wurde zusammen mit seinen Kameraden aus Podolsk am 8. Oktober 1941 an die vorderste Front geworfen.

Der Generalstabschef der Roten Armee Schukow berichtete dem Stab/Armeehauptquartier, dass ihm am 7. Oktober auf dem Weg von Moskau nach Medyn nicht eine einzige kampfbereite Einheit der Roten Armee begegnete war. Auf der Warschauer Chaussee rückte das 57. motorisierte Armeekorps der Deutschen, bestehend aus 200 Panzern und Zwanzigtausend Soldaten und Offizieren, auf Moskau vor, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen.

Der Großvater: Tod bei massiven Luftangriffen

Am 14. Oktober war die Verteidigungslinie auf der gesamten Länge des Frontabschnittes Selenzino-Iljinskoje massiven Luftangriffen durch Sturzkampfbomber und schwere Artillerie ausgesetzt. Dabei starb Victor Dynkin im Granat- und Bombenhagel. Ich möchte einige Zeilen aus dem Brief eines Kameraden an Victors Witwe Nina zitieren:

„Victor ist den Heldentod gestorben!!! Unser Regiment ist in den Kampf gezogen, als die Panzerhorden, bis obenhin gespickt mit Technik, gegen unsere Hauptstadt anstürmten.

Unsere Einheiten waren auf dem Rückzug, aber wir hatten die ehrenvolle Pflicht, das Monster aufzuhalten, um den zurückgeworfenen Einheiten Gelegenheit zu geben, sich zu erholen und neu aufzustellen. Mit unserem Feuer haben wir den Vormarsch der Deutschen gestoppt. Victor hatte in dieser schwierigen Minute mit dem Munitionsnachschub zu tun, das heißt, er gewährleistete, dass unsere Geschütze pausenlos feuern konnten. Bei einer seiner Touren geriet er unter feindlichen Beschuss und wurde getötet, er ist gefallen als Soldat auf seinem Posten.

Er war sofort tot. Er wurde von zwei Bombensplittern getroffen: Einer drang in die Schläfe, der andere in die Feldtasche, in der er Fotos und Briefe aufbewahrte. Die Kameraden, die den Beschuss überlebten, erzählten mir, er habe nicht einmal gestöhnt. Er lebte gut und starb leicht.

Nina, es sind viele Faschistenköpfe für Victors Kopf gefallen, und es werden noch viele weitere fallen, und das beste Denkmal für ihn ist die befreite Heimat und die Millionen von Menschenleben, die von diesen zweibeinigen Tieren befreit wurden.“

Ich zitiere diese treuherzigen Zeilen, um die Wut und den Hass der Soldaten zum Ausdruck zu vermitteln, die auf den Feldern bei Moskau starben.

Der zweite Tag nach Victors Tod, der 16. Oktober, war ein entscheidender Tag bei der Verteidigung Moskaus. In der Stadt brach Panik aus. Aber man gewann Zeit, wichtige Zeit. Schon trafen auf den Moskauer Bahnhöfen frische sibirische Elitedivisionen ein, der Vormarsch von Hitlers Truppen kam zum Stehen, und dann begann unsere Gegenoffensive. Fedor von Bock, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, schrieb nach dem Krieg in seinen Memoiren: „Damals fehlte mir das letzte Bataillon.“

In dem Brief eines Regimentskameraden und in der Todesbenachrichtigung ist der Ort bezeichnet, an dem Victor begraben wurde. Mein Vater und ich sind viele Male mit dem Auto dorthin gefahren, wo er vermutlich gefallen ist. Das war ganz in der Nähe von Moskau. Wir wollten sein Grab finden. Wir wandten uns an das Wehrkommissariat und an die örtlichen Behörden. Niemand konnte etwas Konkretes sagen.

Heute breiten sich dort, wo damals blutige Schlachten stattfanden, Villensiedlungen und Sommerresidenzen aus. In dem Dorf Iljinskoje steht ein Denkmal für die Podolsker Offiziersschüler, auch in Podolsk selbst gibt es ein Denkmal. Dass ich sein Grab nicht finden konnte, ist vielleicht bis heute dafür Ursache, dass heute Bitterkeit und Abscheu in meinem Herzen aufwallen, wenn ich lese, dass in dem einen oder anderen osteuropäischen Land ein Denkmal für die Soldaten der Roten Armee geschleift wird.

Der Onkel: Held der Sowjetunion – und tot

Das Kriegsschicksal des Bruders meiner Mutter, Aljoscha Golubowski, verlief anders. Als Mitglied des Künstlerverbands stieg er vom einfachen Soldaten bis zum Major auf. Für die Überquerung der Weichsel wurde er mit dem Ehrentitel „Held der Sowjetunion“ ausgezeichnet. In der Verleihungsurkunde dieser höchsten militärischen Auszeichnung steht:

„Der Kommandeur des 1. Schützenbataillons, Gardehauptmann Alexej Petrowitsch GOLUBOWSKI, hat bei der befohlenen Überquerung der Weichsel am 1.8.44 heldenhaften Mut bewiesen. Genosse GOLUBOWSKI gab seiner Truppe klare Befehle und führte die Truppe in den Sturmangriff. Der Feind eröffnete ein orkanartiges Artillerieabwehrfeuer, die feindliche Luftwaffe bombardierte die übersetzenden Truppen massiv und pausenlos. Die Gefahr nicht achtend, führte Genosse GOLUBOWSKI persönlich die Überquerung an und griff mit Behelfspontons und Schlauchbooten rasch und entschlossen die feindlichen Stellungen. Das massive feindliche Artilleriefeuer drängte das Bataillon auf eine Insel ab. Genosse GOLUBOWSKI fasste einen kühnen Entschluss: Er befahl den Sturmangriff auf die feindlichen Stellungen ohne Rücksicht auf das dichte Maschinengewehrfeuer. Zusammen mit einem Stoßtrupp überquerte Genosse GOLUBOWSKI den verbliebenen Teil des Flusses und durchbrach die vorderste Verteidigungslinie des Feindes. Durch die entstandene Bresche ließ er einen Trupp Maschinengewehrschützen in den Rücken des Feindes vorstoßen, sprengte auf diese Art deren zweite Verteidigungslinie, schlug sie die Flucht und schuf dadurch für die übrigen Truppen günstige Bedingungen zum Übersetzen. In dieser Schlacht vernichtete Oberst GOLUBOWSKI mit seinem Bataillon zwei feindliche Kompanien und erbeutete zwei 75-mm-Geschütze sowie sechs schwere Maschinengewehre. Seinen Erfolg ausnutzend, gelang es dem Genossen GOLUBOWSKI unter schwierigsten Bedingungen, weitere 2 km vorzurücken, den eroberten Brückenkopf zu halten und die Überquerung des Flusses abzusichern. Er verdient es, den Titel „HELD der SOWJETUNION" zu tragen. Kommandeur des 172. Gardeschützenregiments Major Chasow, 3.8.1944.“

Der Held der Sowjetunion bekam zwei Wochen Urlaub und hätte nicht in die aktive Armee zurückkehren müssen. Alexej Petrowitsch verbrachte zehn Tage im Oktober 1944 in Moskau, aber noch bevor sein Urlaub zu Ende war, ging er wieder zu den kämpfenden Einheiten. Er war Gardemajor, Bataillonskommandeur im 172. Gardeschützenregiment, der 57. Gardeschützendivision der 8. Gardearmee der 1. weißrussischen Front, wurde mit dem Leninorden, der Medaille „Goldener Stern“, dem Alexander-Newski-Orden, dem Rotbannerorden, dem Orden des Vaterländischen Krieges II. Grades und zahlreichen weiteren Orden ausgezeichnet.

Er fiel am 3. Februar 1945 im Nahkampf, in der Nähe des Dorfs Reitwein im Land Brandenburg, 18 Kilometer nördlich von Frankfurt an der Oder. Seine Witwe hat den Ort seines Todes besucht. Sein Grab ist in Ordnung, gut gepflegt. Das war im Jahr 1975.

Gedenken der Familie bei schlichtem Essen

So ging der Krieg durch unsere Familie. Stalin erinnerte sich nicht gerne an den Krieg, 1948 schaffte er den Feiertag zum 9. Mai ab, der in Russland offiziell als Tag des Sieges gilt. Erst 1965 war dieser Tag wieder arbeitsfrei.

Die Zahl der Todesopfer geht in die Millionen. Unter Stalin waren es 7 Millionen, unter Chruschtschow 20 Millionen, heute lautete die offizielle Zahl 27 Millionen. Aber meine Eltern und ich wussten: Zwei der Unseren sind gefallen. Solche Familien gibt es in Russland viele Millionen. Meine erwachsenen Söhne wissen es. Und auch mein Enkel weiß es.

Solange ich denken kann, haben meine Eltern Anfang Mai ein schlichtes Essen zum Gedenken an Victor und Aljoscha/Alexej ausgerichtet, und meine Großmutter und meine Mutter konnten dabei oft ihre Tränen nicht zurückhalten.

Vorbehalte beim ersten Deutschlandbesuch

Natürlich war meine Einstellung zu den Deutschen eindeutig negativ. Mein erster Besuch in Deutschland (damals noch in der DDR) fand 1976 mit der Schule für „junge Wissenschaftler“ aus den sozialistischen Ländern statt, er führte in die Stadt Eberswalde. Es handelte sich um einen Gruppenausflug nach Berlin. Von fern sahen wir das Brandenburger Tor, ungefähr vom Hotel Adlon aus. Der Pariser Platz war menschenleer, gespickt mit Stacheldraht und Panzersperren.

Als ich die junge deutsche Schulleiterin um Erlaubnis bat, auf eigene Faust nach Berlin fahren zu dürfen, um das Pergamon-Museum zu besuchen, von dem mir meine Großmutter erzählt hatte, erhielt ich eine ziemlich scharfe Absage, und mir wurde angedroht, die sowjetische Botschaft über meinen „Disziplinverstoß“ zu informieren. Ein ungarischer Freund scherzte: „Mach dir nichts draus, die achtet tagsüber auf ihre Karriere, aber nachts guckt sie Westfernsehen und träumt davon, ins KaDeWe zu gehen.“

Trotzdem machte ein Vortrag von Lutz Meyer, dem stellvertretenden Direktor des Instituts für internationale Politik und Wirtschaft der DDR (IPW), einen sehr guten Eindruck auf mich, weil er eine tiefschürfende Analyse der Wirtschaftskreisläufe in der BRD und eine detaillierte Gegenüberstellung der Besonderheiten in der Unternehmensführung deutscher und amerikanischer Unternehmen lieferte. Mit minimalem Bezug zu marxistischen Dogmen.

Aber ansonsten habe ich keine guten Erinnerungen an meinen ersten Besuch in diesem Land. Später lernte ich den Vorsitzenden des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Otto-Wolf von Amerongen kennen, ein häufiger Gast des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen in Moskau (IMEMO) und glühender Befürworter der deutsch-sowjetischen Wirtschaftskooperation, der das historische deutsch-sowjetische Röhren-Erdgas-Geschäft durchsetzte.

Es bildeten sich auch wissenschaftliche Kontakte mit dem Münchner Institut für Wirtschaftsforschung, was es möglich machte, am IMEMO-Institut Umfragen über noch sowjetische Unternehmen zu beginnen, und zwar nach einer Methode, die den Umfragetechniken dieses brillanten Forschungszentrums sehr nahe waren.

Gewandelte Einstellung gegenüber den Deutschen

Nach 1991 weiteten sich die Kontakte zu deutschen Wissenschaftlern natürlich erheblich aus. Seit mehr als 20 Jahren leite ich jetzt auf russischer Seite die Organisation der „Schlangenbader Gespräche“, die von der Moskauer Vertretung der Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltet werden. Ich kenne viele deutsche Politiker, Journalisten und Wissenschaftler. Es haben sich freundschaftliche Beziehungen entwickelt.

Meine Einstellung gegenüber den Deutschen hat sich gewandelt. Ich habe großen Respekt davor, wie es die Deutschen geschafft haben, Chauvinismus, Nationalismus und Militarismus im öffentlichen Bewusstsein auszumerzen. Ich glaube, es hat in den Nachkriegsjahren einen radikalen Neustart des deutschen gesellschaftlichen Bewusstseins, in der persönlichen Mentalität der Mehrheit der Deutschen gegeben.

Ich denke, die Formel „Nie wieder" bringt diesen Prozess treffend zum Ausdruck. Und deshalb fühle ich, wenn ich auf den Straßen russischer Städte Autos der Marken Volkswagen oder Opel mit dem Aufkleber „Nach Berlin" sehe, mit Erbitterung und Ratlosigkeit.

Krieg, das bedeutet Blut, Trauer und Angst. Das bedeutet Hunger und Kälte, Schmerz und Tod. Verstümmelte Körper und verbrannte Seelen. Einer meiner Vorgänger auf dem Direktorenposten am IMEMO-Institut und Mitglied der Akademie der Wissenschaften, Nicolai Inosemzew, der während des Kriegs Zugführer bei einer Artillerieaufklärungseinheit gewesen war, sagte einmal: „Ich war ein sentimentaler junger Jungspund. Der Krieg hat uns innerlich versengt, er hat uns völlig ausgebrannt.“ Er hat mich mit von Amerongen bekannt gemacht.

Die Frontkämpfer, mit denen ich sprechen konnte, erinnerten sich nicht gern an den Krieg. Sie haben an der Front dem Tod in die Augen geblickt, sprangen mit dem Fallschirm aus abgeschossenen Flugzeugen, stürzten sich von sinkenden Schiffen ins Meer. Aber öfter sprachen sie über ihre Freunde, die Gefallenen und die Lebenden.

Die Freundschaft an der Front war ihnen heilig. Der Vater eines meiner Freunde war im Krieg Panzersoldat, ein sehr tapferer Mann, hat sich zweimal aus seinem brennenden Panzer gerettet, wurde zum Schluss auf den Seelower Höhen noch einmal abgeschossen, und kurz vor seinem Tod rief er seinen Sohn an und sagt: „Ich verrate dir jetzt ein schreckliches Geheimnis: Die zweite Hälfte des Kriegs haben wir mit amerikanischen Sherman-Panzern gekämpft. Aber 45 musste ich dann schriftlich versprechen, bis ans Ende meiner Tage darüber zu schweigen und nur von den T-34 zu erzählen.“ Auch das gehört zur Wahrheit über diesen Krieg.

Ich bin davon überzeugt, dass die Erinnerung an den Krieg lange lebendig bleiben muss. Es war ein schreckliches Drama, eine Tragödie für Russen und Deutsche gleichermaßen.

Wie die Deutschen das Andenken an die gefallenen sowjetischen Soldaten ehren, verlangt uns Respekt ab. Ich denke, die Deutschen meines Alters empfinden das Gleiche wie ich, wenn wir auf den Fernsehbildschirmen oder Displays die nächtlichen Fackelmärsche in den Hauptstädten einiger osteuropäischer Länder sehen.

Aus dem Russischen von Olga Kouvchinnikova und Ingolf Hoppmann.

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Das aktuelle Buch: Hannes Heer und Christian Streit bilanzieren den Überfall auf die UdSSR vor 80 Jahren.