Vollmer: „Die Niederlage meines Lebens“

Antje Vollmer über Kriegsziele, schwere Waffen und Angst vor dem Weltkrieg, The Pioneer, 9.5.2022

von KARENINA

Antje Vollmer, Theologin, Grünen-Abgeordnete und Bundestagsvizepräsidenten bis 2005, war schon gegen die Kriege im Kosovo, im Irak und in Afghanistan. Die 78-Jährige beharrt auf unbedingte Gewaltfreiheit und gehört zu den Unterzeichnerinnen des EMMA-Briefs. Sie glaube nicht, dass immer mehr und schwerere Waffen und Sanktionen den Frieden in der Ukraine bringen, sagte sie im Gespräch mit Gabor Steingart.

Sie ist der Überzeugung, „dass man gegen eine nukleare Großmacht in einer anderen Situation ist als in einem normalen konventionellen Krieg“. Und deshalb sei „das Kriegsziel, das sich jetzt Stück für Stück aufbaut, nämlich den Russen eine Niederlage zu verpassen, dank der so tapfer kämpfenden Ukrainer“, so warnt sie, „ein Spiel mit ganz großem Risiko“. Daraus könne der große europäische Krieg entstehen.

Nicht schwere Waffen seien die Lösung, die zögen die Ukraine „nur tiefer und länger in den Krieg hinein“. Helfen würde ihnen, nach „Möglichkeiten zu suchen, den Krieg eher zu beenden“.

Dass auch in ihrer Partei eine „bellizistische Stimmung“ bestehe, nennt sie „die Niederlage meines Lebens“. Die Grünen seien zu Beginn „vor allem eine Friedenspartei gewesen“, auch eine für Ökologie und Menschen-, Frauen- Minderheitenrechte. „Aber ohne die Friedensbewegung und ohne den Pazifismus hätten es die Grünen nie geschafft, in den Bundestag zu kommen.“

Vollmer spricht ihre Angst vor einem möglichen großen Krieg aus. Und deshalb müsse man versuchen, „dem Feind in die Arme zu fallen und setzen auf diplomatische Mittel und Verhandlungen und auf Deeskalation“. Sie wünscht sich ein Uno-Mandat, „und wenn es von der UN-Vollversammlung ist“. Denn wenn wir den europäischen Krieg nicht verhinderten, dann käme der Weltkrieg hinterher.  PHK