Verlierer des Kriegs: Russland, Putin, Populisten

Francis Fukuyama wagt mal wieder Prognosen, Neue Zürcher Zeitung, 16.3.2022

von KARENINA
Fukuyama in der NZZ

Francis Fukuyama schreibt: „Ich riskiere hier etwas und wage ein paar Prognosen“. Es geht um den Krieg in der Ukraine, und der Autor von „Das Ende der Geschichte“ prognostiziert: „Russland steuert auf eine klare Niederlage in der Ukraine zu.“

Fukuyama rechnet mit dem Zusammenbruch der russischen Stellungen, und das „könnte plötzlich kommen und katastrophal sein“. Die russische Armee werde „an einen Punkt gelangen, an dem sie weder versorgt noch zurückgezogen werden kann, und die Kampfmoral wird verfliegen“. Dies gelte „zumindest für den Norden der Ukraine; im Süden stehen die Russen besser da, aber diese Stellungen wären schwer zu halten, wenn die nördliche Front zusammenbricht“.

Bevor der Kollaps der russischen Armee nicht eingetreten ist, sei eine Beendigung des Kriegs durch Diplomatie unmöglich. „Es gibt keinen denkbaren Kompromiss, der sowohl für Russland als auch für die Ukraine akzeptabel wäre.“

Putin werde die Niederlage seiner Armee nicht überleben. Auch andere werden, so Fukuyama, verlieren: „Die Invasion hat den Populisten in aller Welt, die vor dem Angriff unisono ihre Sympathie für Putin zum Ausdruck brachten, bereits stark geschadet. Dazu gehören Matteo Salvini, Jair Bolsonaro, Éric Zemmour, Marine Le Pen, Viktor Orbán und natürlich Donald Trump. Die Kriegspolitik stellt ihre bereits bekannten autoritären Tendenzen nochmals ins Rampenlicht.“

Eine Lektion sei der Krieg auch für China. Wie Russland habe auch China zwar scheinbar hochmoderne Streitkräfte aufgebaut, die verfügten jedoch über keinerlei Kampferfahrung. „Es bleibt zu hoffen, dass die chinesische Führung ihre Fähigkeiten nicht wie die Russen völlig überschätzt und an einen Angriff auf Taiwan denkt.“

Nach der russischen Niederlage erwartet Fukuyama eine „Wiedergeburt der Freiheit“, die „den Blues vom Niedergang der globalen Demokratie vertreiben“ werde. „Der Geist von 1989 wird weiterleben, dank den mutigen Ukrainern.“  PHK