Ukraine: Russlands defensive Offensive

Wolfgang Richter: „Moskau zieht zusätzliche Truppen nahe der Ukraine und auf der Krim wieder ab“, SWP aktuell, Mai 2021

Was wollte Russland an der Grenze zur Ukraine?

Ende März erhöhte Moskau im Rahmen seines jährlichen Frühjahrstests der Einsatzbereitschaft die Truppenpräsenz östlich der Ukraine und auf der Krim auf rund 100 000 Mann, während die Nato ihr noch andauerndes Manöver Defender Europe 21 auf dem Balkan bis zum Schwarzen Meer begann. Auch ukrainische Soldaten waren beteiligt.

Viele Beobachter fürchteten einen Krieg, Russland könnte vorhaben, den ganzen Donbass zu besetzen und eine Landverbindung zur Krim herzustellen versuchen. Inzwischen hat Moskau die "Ausbildung" für beendet erklärt und mit dem Rückzug seiner Truppen begonnnen. Wolfgang Richter dividiert den Umfang zusätzlich verlegter Truppen und ständiger Kräfte in Südrussland und auf der Krim auseinander. Für die Verstärkungskräfte errechnet er die Zahl von 30 000 bis 35 000.

Die Nato-Übung hat das Ziel, so Richter, "von der logistischen Drehscheibe Deutschland aus Verbündete an den Nord-und Südostflanken der Nato zu verstärken". Dazu müssten Truppen über große Entfernungen verlegt werden.

Dass es zu solch einer Leistung in der Lage sei, habe mit seinem Aufmarsch Moskau gezeigt. Richter schließt aus der medienwirksamen russischen Aktion, es sei "nicht um Überraschung, sondern um eine Demonstration" gegangen.

Als strategisches Hauptinteresse Moskaus sieht der Oberst a. D. Folgendes: "Es will verhindern, dass die Ukraine und Georgien der Nato beitreten und die USA dann das Schwarze Meer und die Flottenstützpunkte auf der Krim kontrollieren, Russland hinter die Mündung des Don zurückdrängen und näher an russisches Kernland heranrücken."  PHK