Russland: Geopolitischer Statist

Paul Stronski, Andrew S. Weiss: „Why Isn’t Russia Talking About Great Power Competition?“, Carnegie Endowment for International Peace, 27.5.2021

"Die Qualität des strategischen Denkens des Kremls leidet unter zahlreichen blinden Flecken." So beginnen die Autoren ihren Aufsatz über die mögliche künftige globale Rolle Russlands und den Wettbewerb mit den Großmächten USA und China. "Strategische Feindschaft und Angst vor dem Westen führen zu impulsiven Handlungen wie die Annexion der Krim 2014." Es fehle eine langfristige Strategie. Stattdessen bestimmten andauernde Beschwerden derartige Gespräche, chronische Unsicherheit, Minderwertigkeitskomplexe und eine Fixierung auf die USA als größte Bedrohung der Existenz der Regierung Putin.

Statt eine Strategie für die Zukunft zu entwickeln, lebe Putins Regime in der Vergangenheit, stärkte innenpolitisch die Macht des Staats, damit sich so etwas wie der Zuammenbruch der Sowjetunion, das politische Chaos, der ökonomische Kollaps und der Verlust des russischen Einflusses auf das "nahe" und das andere Ausland nicht wiederholen kann. Außenpolitisch sehen die Autoren für die Beziehungen zu China keinen Plan, Europa sehe der Kreml nur als Quelle der größten Gefahren für das Regime, weshalb es dauernd versuche, den Westen zu unterminieren.

Der Kreml träume von einer Welt, die nicht von den USA angeführt wir, schreiben Stronski und Weiss. "Russlands Debatte über internationalen Wettbewerb scheint auf die USA fixiert zu sein, die aber nur eine Herausforderung für Russland ist." Statt sich der Zukunft zu widmen, sehen sie allenfalls eine "Statistenmentalität" Russlands.  PHK