Russland: Aufstand der Jungen?

Andrei Kolesnikov: Can the Next Generation of Russians Modernize Their Country? Carnegie Moscow Center, 31.3.2021

Carnegie Moscow Center

Generationenkonflikt ist immer und überall. Den sieht Andrei Kolesnikow auch am russischen Horizont. Für Putin werde es nicht einfach sein, die jungen Leute für sich zu gewinnen. 57 Prozent der 18- bis 24-Jährigen wollen den Kremlherrn nach 2024 nicht mehr im Amt sehen, so eine Studie des Lewada-Instituts.

Die jungen Erwachsenen seien besser informiert über das Weltgeschehen als die Älteren. Sollte der Kreml auf die Idee kommen, das Internet zu regulieren, werde er "den Kampf um die Herzen und Köpfe der jungen Menschen verlieren", so Kolesnikow. Das sei "nicht nur eine Frage von Liberalismus und Demokratie, es ist die Weigerung, einen antiquierten und autoritären Regierungsstil zu akzeptieren".

Allerdings zeige die Erfahrung, dass junge Leute mit zunehmendem Alter konservativer werden. Und ihre häufig naive Sicht auf die Politik eröffne den Regierenden Möglichkeiten zur Indoktrination. Das gelte umso mehr, als die besten Jobs in staatlicher Hand seien. "Konformismus und Loyalität sind Bedingung für eine Karriere beim Staat", so Kolesnikow, der noch eine Erfahrung in seinen Debattenbeitrag wirft: "Materieller Wohlstand ist schlussendlich wichtiger für junge Leute als Demokratie." Frei nach Bertolt Brecht: Erst kommt das Fressen, dann die Moral.  PHK