Nach den ‚Friedensgesprächen‘ mit Russland

Felix Light fragt nach Gründen für den Stillstand zwischen Russland und dem Westen – und nach den Folgen für die Ukraine, The Moscow Times, 14.1.2022

Russland und der Westen, The Moscow Times

Wie erwartet haben die Gespräche zwischen Russland und dem Westen nichts gebracht, der Stillstand war das wahrscheinliche Ergebnis. Felix Light ist für The Moscow Times den Gründen nachgegangen. „Das Ergebnis war mehr oder weniger erwartbar, da der Westen Moskaus Forderungen nicht entsprechen wollte“, zitiert er den Generaldirektor des Russian International Affairs Council (RIAC) Andrei Kortunov, der auch für KARENINA schreibt.

Auf einer Pressekonferenz in Moskau am 14. Januar zeigte sich Russlands Außenminister Sergei Lawrow unzufrieden. „Wir waren sehr geduldig, aber unsere Geduld ist zu Ende.“ Mehrere russische Offizielle äußerten, es seien keine weiteren Gespräche in Sicht.

Obwohl die Gespräche mit der Nato und der OSCE als letzte Chance für einen Kompromiss gesehen worden seien, so Light, habe niemand einen Durchbruch erwartet. In Russlands Medien seien kritische amerikanische Anmerkungen über den Einsatz russischer Soldaten in Kasachstan als „Beweis für einen Mangel an gutem Willen Washingtons“ präsentiert worden.

Light zitiert den Historiker und Experten für russische Sicherheitspolitik Mark Galeotti, dass „die Bemühungen der westlichen Seite, die Gespräche auf konkrete, realisierbare Themen zu lenken, darunter Raketenabschussorte und Truppenstationierungen“, zum Scheitern der Gespräche beigetragen haben könnten. Russland habe „nicht weniger als eine radikale Überholung der europäischen Sicherheitsarchitektur“ gefordert; da seien Diskussion von Teilfragen nicht genug gewesen. „Russland suchte nach Rechtfertigungen, die Gespräche fortzusetzen“, so Galeotti, „und die Amerikaner taten nicht genug, um ihnen solche Rechtfertigungen zu geben.“

Die Politologin Tatiana Stanovaya, Gründerin des Analyseunternehmens R.Politik , glaubt, dass das weitere Konflikte um die Ukraine wahrscheinlicher mache. Das Risiko steige immer, wenn Verhandlungen scheitern.

Galeotti dagegen hält es für wahrscheinlich, dass beide Seiten zum Verhandlungstisch zurückkehren. „Die Gespräche sind nicht zuende“, zitiert ihn Light. „Wir stellen uns mittlerweile vor, dass Diplomatie so einfach ist wie das Binge-Watching von Netflix. Aber jetzt sind wir wieder in der Zeit, in der man jede Woche eine Folge schauen muss.“  PHK