Verteidigung Nawalnys

Masha Gessen: The Evolution of Alexey Navalny’s Nationalism, New Yorker, 15.2.2021

von PHK
The New Yorker

Nawalny, so Masha Gessen, sei “ein außergewöhnlicher, erfinderischer und engagierter Opponent von Wladimir Putins Regime. Andererseits hat er sich mit Ultranationalisten gemein gemacht, die ich als extrem anstößig und potenziell gefährlich hielt.“

“Hielt”, schreibt Masha Gessen im New Yorker, bevor sie zu einer Verteidigung Nawalnys anhebt.

Wer ist Nawalny?

Gessen kennt Nawalnys Videos aus der Zeit nach seinem Austritt bei Jabloko 2007: seine Beteiligung an den sogenannten Russischen Märschen, seine Äußerungen bezüglich des Tragens von Waffen und der Deportation von Migranten, seine Aussage: „Wir haben das, Recht, in Russland ethnische Russen zu sein. Und wir werden dieses Recht verteidigen.” Seine Unterstützung der russischen Aggression in Georgien (wie eine “Mehrheit der Russen“).

Aber: Nationalisten hätten in der Geschichte „häufig eine Schlüsselrolle bei der Bildung von Demokratien gespielt“, so Gessen. Aber Nawalny habe in den vergangenen sieben Jahren nichts geäußert, „das als hasserfüllt oder ethnonationalistisch bezeichnet werden könnte“. Und er habe seine Kommentare über Georgien bedauert.

Adam Michnik habe Nawalnys Strategie so zusammengefasst: „Man muss mit Nationalisten zusammenarbeiten und sie erziehen.“ Denen müsse man erklären, „dass Migranten zu schlagen keine Lösung des Problems der illegalen Zuwanderung ist; die Lösung ist die Rückkehr zu wettbewerbsfähigen Wahlen, die es uns ermöglichen, die Diebe und Gauner loszuwerden, die mit illegaler Zuwanderung reich werden.“

Nach Gesprächen mit einigen Weggefährten Nawalnys kommt Gessen zum Schluss: “Nawalnys politische Ansichten haben sich auf ungewöhnliche öffentliche Art entwickelt.“ Er habe sich zwar nicht für seine xenophoben Videos und die Teilnahme an den „Russischen Märschen“ entschuldigt. Aber er habe „zunehmend linke ökonomische Positionen angenommen und das Recht zur gleichgeschlechtlichen Heirat unterstützt“. Vor allem wegen seines Kampfs gegen die Korruption verdiene Nawalny „den Nobelpreis oder zumindest die volle und uneingeschränkte Unterstützung anständiger Menschen“.