Cyber War: Manipulation und Desinformation

Jill Kastner and William C. Wohlforth:  A Measure Short of War. The Return of Great-Power Subversion, Foreign Affairs, July 2021

Subversion war immer, schon lange vor dem Cyber-Zeitalter, schon lange bevor Russland 2016 zum Nachteil von Hillary Clinton in den US-Wahlkampf eingegriffen hat. Im Wettstreit der großen Mächte, so die Autoren, hätten alle Staaten immer versucht, die anderen zu schwächen: durch Einmischung in deren innere Angelegenheiten und Politik sowie durch Manipulation, durch Unterstützung Oppositioneller oder Unterminierung von Amtsinhabern, durch Desinformation und Fälschung, durch finanzielle Unterstützung der Opposition bis hin zu gewaltsamen Maßnahmen wie die Bewaffnung von Aufständischen, Zerstörung von Infrastruktur und Mordanschlägen.

Selbstverständlich trachteten auch die USA danach, andere Staaten zu schwächen oder zu zerstören, und in der Geschichte gelang mehrfach sogar ein Regime Change. Die Autoren des Beitrags in Foreign Policy verhehlen nicht, die dunkle Geschichte der US-amerikanischen Subversion zu erzählen: beginnend mit den Versuchen, in der Sowjetunion „die Flammen des Nationalismus anzufachen“ – und damit die Sezession. „Es gab eine Zeit, da dachten amerikanische Amtsträger, Radiosendungen wären ein starkes Werkzeug, um die Sowjetunion zu untergraben. Dann waren es Kopiermaschinen, abgelöst durch PCs. Aber Moskau konnte immer antworten, störte Radioprogramme, kontrollierte den Zugang zu Kopiermaschinen und anderen Technologien.“

Der Beitrag benennt auch US-Aktionen gegen China, etwa die Unterstützung der aufständischen Tibeter. Und er nennt ein heute beliebtes Mittel der Einflussnahme, die Unterstützung von NGOs. Trocken stellen die Autoren fest: „Im Wettbewerb der mächtigsten Rivalen trachtet jeder Staat danach, die anderen zu schwächen.“

Wozu eine Armee einsetzen, wenn's billiger geht?

Die Politik eines anderen Staates zu ändern, könne so viel billiger und weniger riskant gelingen als durch Zwang, Abschreckung oder Diplomatie. „Wozu eine Armee aufbauen und einen Kontrahenten angreifen, wenn du Propaganda verbreiten, Politiker bestechen oder Internettrolle entsenden kannst, und damit subtile, aber spürbare Gewinne erzielen kannst?“

So gesehen sei die Einmischung der Russen 2016 nichts Ungewöhnliches gewesen. Die USA hätten eben geschlafen, kann man zusammenfassen. Deshalb sei das Land verletzbar gewesen. „So war es immer. Staaten werden immer leiden, wenn äußere Akteure ihre inneren Schwächen ausnutzen können.“

Technologische Neuerungen werden immer neue Optionen für Manipulation und Subversion schaffen, schreiben die Autoren. Und Staaten werden einen Weg finden, sich zu wehren.

Außerdem müssten auch China und Russland beachten, dass die Kosten solcher Aktionen nicht den Nutzen übersteigen. Denn beide seien auf Zusammenarbeit mit den USA angewiesen: beim Klimawandel, bei der Rüstungskontrolle, bei der Verbreitung von Atomwaffen. „Da werden die größten Mächte zusammenarbeiten müssen. Vieles, was China und Russland auf der Weltbühne erreichen wollen, bedarf der Verhandlungen mit den USA und ihrer Verbündeten.“ Und beide wüssten: „Wenn sie durch Subversion ihre Glaubwürdigkeit zerstören, wir die Möglichkeit von Deals verschwinden.“  PHK